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Erhaltung der genetischen Vielfalt in der Schwarzwälder Kaltblutzucht

25.04.2024

Erhaltung der Farbvielfalt und gefährdeter Stutenstämme

R+V Rasputin zur Leistungsprüfung in Marbach

Fotograf: Doris Matthaes

Die Erhaltung der genetischen Vielfalt ist für die Zuchtverbände eine herausfordernde und wichtige Aufgabe besonders bei den gefährdeten Rassen. Im deutschen Tierzuchtgesetz ist sie als wichtiges Ziel und Aufgabe definiert. Der Pferdezuchtverband Baden-Württemberg widmet sich in seinem Erhaltungszuchtprogramm für das Schwarzwälder Kaltblut unterstützt vom Haupt- und Landgestüt Marbach gleich zweifach dieser Aufgabe.

Erhaltung der Farbvielfalt
Neben der im Zuchtziel aufgeführten Hauptfarbe Fuchs bis Dunkelfuchs – helles Langhaar ist erwünscht – sollen auch die Farben Braune, Rappen und Schimmel als Kulturgut und für die genetische Vielfalt erhalten werden. Zur Erhaltung der Schimmelfarbe wurde in den Jahren 2018 bis 2020 der Embryotransfer zur Erhaltung der einzigen noch lebenden Schimmelstute erfolgreich genutzt. Der bereits vor 20 Jahren begonnene Zuchtversuch zur Erhaltung der braunen Farbe wurde mit der Körung des braunen Schwarzwälders Landuin und der neu eingerichteten Hengstlinie L abgeschlossen. Um sinnvolle Maßnahmen zur Erhaltung insbesondere der Rappfarbe einzuleiten und umzusetzen, war die Untersuchung der Häufigkeit der Rappallele (aa) im Rahmen einer Populationsstudie in der aktiven Population bei Hengsten und Stuten des Pferdezuchtverbandes Baden-Württemberg sinnvoll. Dies wurde im Jahr 2017/18 vom Pferdezuchtverband in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität Berlin mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins des Haupt- und Landgestüts Marbach in einer Populationsstudie untersucht. Die aktive Zuchtpopulation des Schwarzwälder Kaltblutes des Pferdezuchtverbandes Baden-Württemberg besteht zu ca. 98 % aus Füchsen (ee). Schwarzallelträger (E), die zu Braunen und Rappen führen, gibt es nur sehr wenige. Zur Erhaltung der Rappfarbe stehen den Züchtern 2024 mittlerweile die zwei Rapphengste – Ramos v. Revisor (Eeaa) und dessen Sohn Rabenstein v. Ramos (Eeaa) zur Verfügung. Die beiden braunen R+V Rasputin (EeAa) v. Rotenberg und Landuin v. Lasse (EeAA) unterstützen die Erhaltung der braunen Farbe. R+V Rasputin kann in der Anpaarung mit Fuchsstuten (aaee, Aaee) und Braunstuten (EeAa) neben Füchsen und Braunen auch Rappen hervorbringen.

Erhaltung gefährdeter Stutenstämme
Die Erhaltung vieler Stutenstämme ist neben der Erhaltung der Farbvielfalt eine weitere Mammutaufgabe und eine besondere Herausforderung. Beim ersten Tag des Schwarzwälder Kaltbluts im Haupt- und Landgestüt Marbach wurde dieses Thema aufgegriffen und mit einer gut erarbeiteten Übersicht über die einzelnen Stutenstämme, deren Stutenzahl sowie der daraus resultierenden Nachzucht. Darauf aufbauend hat der Verband seinen den einzelnen Stutenstämmen zugeordneten aktiven Stutenbestand auch in seiner Datenbank dokumentiert und die Stutenstämme bei den Stutbuchaufnahmen, den Fohlenschauen, den Verbandsstutenschauen und Fohlenschauen für jedes einzelne Schwarzwälder Pferd in den Katalogen ausgewiesen. Ein weiterer Schritt war die Zuordnung in Gefährdungsklassen – nicht gefährdet, gefährdet, stark gefährdet und extrem gefährdet sowie eine Bestandsaufnahme welche Stuten in den gefährdeten Stutenstämmen zuchtaktiv sind. Die Züchter wurden in den Zuchtvereinsversammlungen zu diesem Thema sensibilisiert und Ansätze für eine finanzielle Förderung der gefährdeten Stutenlinien erarbeitet. Dabei kommt den Stuten bei der Erhaltung der Stutenstämme die größte Bedeutung zu. Stutenstämme können nur über aktiv an der Zucht teilnehmende Stuten erhalten werden und der Fokus liegt auf der weiblichen Nachzucht. Aktuell hat der Verband mit dem Rassebeirat die Verteilung der eingetragenen zuchtaktiven Stuten neu analysiert. Die Einteilung in die Gefährdungsstufen erfolgt nach Anzahl der je Stutenstamm zuchtaktiv gemeldeten Stuten. Alle Stutenstämme mit 20 und mehr aktiven Stuten gelten als nicht gefährdet (396 Stuten = 67 %). Stutenstämme mit 6 bis 19 aktiven Stuten als gefährdet (128 Stuten = 22 %) und Stutenstämme mit 5 und weniger zuchtaktiv gemeldeten Stuten als stark gefährdet (66 Stuten = 11 %). Die Genetik verbreitet sich natürlich über die Hengste schneller, die Stutenstämme lassen sich aber nur über die Stuten und deren weibliche Nachkommen erhalten.

Bei Fragen zur Farbvererbung und zur Anpaarungsplanung steht ihnen der Zuchtleiter Manfred Weber, Zuchtleiter Kaltblut/Kleinpferde Pferdezuchtverband Baden-Württemberg beratend zur Seite.

Die vollständigen Artikel finden Sie untenstehend im Download!

Links & Downloads

  • Erhaltung der genetischen Vielfalt der Farbvielfalt 571.5 KB
  • Erhaltung der genetischen Vielfalt an Stutenlinien in der Schwarzwälder Kaltblutzucht 649.25 KB