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PSSM – Deutsche Kaltblutzüchter gehen mit einem gemeinsamen Forschungsprojekt in die Offensive

16.03.2020

In der letzten Zeit entwickelte sich eine nicht endende Diskussion um das Thema PSSM, von der die in Deutschland gezüchteten Kaltblutrassen, bei uns vor allem das Schwarzwälder Kaltblut, betroffen sind.

Über Jahrhunderte ist die Kaltblutzucht erfolgreich darauf ausgerichtet, ein Pferd mit entsprechender Bemuskelung und Zugkraft für die ganztägige Arbeit in der Land- und Forstwirtschaft bei bester Futterverwertung („Leichtfuttrigkeit“) zu züchten. Heute werden die Kaltblutpferde zunehmend als Freizeitpferde gehalten.

Auf die Gesundheit unserer Kaltblutpferde hat eine artgerechte Haltung, Fütterung und das fachgerechte Arbeiten der Pferde einen maßgeblichen Einfluss. Heute werden diese Pferde zunehmend mit unregelmäßiger Bewegung und nicht kaltblutgerechter Fütterung, d.h. zu kohlenhydratreich und zu rohfaserarm,  gehalten und können erkranken.

Was hat das nun mit PSSM zu tun?

PSSM1 (Poly-Saccharid-Speicher-Myopathie) ist eine Störung des Energiestoffwechsels der Muskulatur bei Pferden, die durch eine erhöhte Zuckerkonzentration in den Muskelfasern gekennzeichnet ist. Die Symptome von PSSM1 gleichen denen des Kreuzverschlags und können sein:

  • Muskelsteifheit / Muskelschwäche/ Muskelschwund
  • Bewegungsunlust
  • Bewegungsauffälligkeiten der Hinterhand
  • Starkes Schwitzen
  • Kolik artige Schmerzen (durch Nierenversagen)

Beim Quarter Horse wurde 2008 eine Mutation des GYS1-Gens festgestellt, die bei einem Teil der an PSSM erkrankten Pferde nachgewiesen wurde.

Die Zusammenhänge zwischen dem genetischen Merkmal der GYS1 – Mutation (also dem Genotyp) einerseits und dem tatsächlichen Ausbruch der Krankheit PSSM1 (also dem Phänotyp)  andererseits sind bei den Kaltblutrassen noch unzureichend erforscht. Tatsache ist, dass nur ein (sehr) kleiner Anteil der Träger des genetischen Merkmals an PSSM erkrankt und dass es erkrankte Pferde gibt, die das genetische Merkmal nicht tragen.

Einen Einfluss auf die Entstehung von klinischen Symptomen der PSSM haben Fütterung, Haltung und Bewegung. Inwieweit andere Gene beteiligt sind sowie deren Wechsel-wirkungen,  ist noch nicht erforscht.  Ist die Selektion nur auf den GYS1-Status ausgerichtet, wird zwar der Anteil der Pferde, die die GYS1-Mutation tragen, gesenkt, nicht aber der Anteil der Pferde mit klinischen Symptomen der PSSM. Dies hätte insbesondere bei den vom Aussterben bedrohten Rassen weitere Genverluste zu Folge.

Um all diese Fragen und Zusammenhänge zu klären haben sich die unter dem Dach der FN organisierten Kaltblutzuchtverbände auf Empfehlung der Arbeitsgruppe Kaltblut dafür ausgesprochen,  ein gemeinsames Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen zu initiieren. Der Pferdezuchtverband Baden-Württemberg wird sich an diesem Forschungsprojekt beteiligen und bittet seine Kaltblutzüchter mitzuwirken. Sobald der Forschungsplan vorliegt, wird der Verband weiter darüber informieren.

Pferdezuchtverband Baden-Württemberg

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