Weilheim 2026: Dressurpferde eröffnen die zweite Hälfte der Landeschampionate
Aragorn T v. Antango/Rubin-Royal unter seiner Besitzerin Fiona Serafina Lukas, Zü.: Friedrich Timmermann
Foto: Doris Matthaes
Am dritten Turniertag der Landeschampionate in Weilheim gehörte die Bühne den Dressur- und Reitpferden. Neben der Einlaufprüfung für das Goldene Band des Dressurpferdes standen die ersten Qualifikationen der vierjährigen Reitpferde und Reitponys sowie die Titelentscheidung der dreijährigen Hengste auf dem Programm. Zum Abschluss stand mit dem Kurz Grand Prix ein echtes Highlight an.
Den Auftakt machte am Morgen die Dressurprüfung der Klasse M** als Einlaufprüfung für das Goldene Band. Hier knüpfte die achtjährige FBW Vjera (v. Vitalis-San Amour, Z.: Ludwig Fischer) unter ihrer Ausbilderin Nele Dobmann nahtlos an ihre jüngsten Erfolge an. Erst vor zwei Wochen hatte das Paar in Ludwigsburg die erste gemeinsame S-Dressur gewonnen. Auch in Weilheim präsentierte sich die sympathische Stute von Beginn an selbstbewusst und überzeugte mit einer ausdrucksvollen Trabtour, einem losgelassenen Schritt sowie sicher gesprungenen fliegenden Wechseln. Mit 70,9 Prozent setzte sich das Paar an die Spitze. Knapp dahinter folgte Michele Schulmerig mit Daliha (v. Devonport-Fürst Romancier, Z.: Reinhold Müller), die mit einer harmonischen und technisch sicheren Runde 69,8 Prozent erzielte. Rang drei ging an die siebenjährige Birkhof’s Fabulous Fenja FBW (v. Fair Game-Lord Leopold, Z.: Thomas Casper) unter Riana Frank. Nach einem Verreiten fehlten den beiden mit 69,7 Prozent lediglich wenige Zehntel auf Rang zwei. Die weiteren Platzierungen gingen an Antonia Roth mit Lordswood Dancing Diamond (68,4 Prozent), Katharina Sieger mit Baltimore (68,2 Prozent) sowie Leonie Laier mit FBW Belasol (67,7 Prozent), die ebenfalls zu den Favoritinnen auf das Goldene Band zählt.
Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Reitponys
Spannend verlief anschließend die Reitpferdeprüfung der vierjährigen Reitponys. Erstmals wird diese Altersklasse im Rahmen eines Pilotprojekts nach dem neuen Bundeschampionats-Modell ausgetragen: Auf die Reitpferdeprüfung folgt im Finale eine Dressurpferdeprüfung der Klasse A. In einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen setzte sich der vierjährige Monticello (v. Mescal-Manchester, Z.: Anja und Lukas Vahrmann) unter Vera Breidenbach mit einer Endnote von 7,82 durch. Der auf der Marbacher Auktion erworbene Hengst überzeugte insbesondere mit einem taktsicheren Trab (8,2), einem gut ausbalancierten Galopp (7,8) sowie einem losgelassenen Schritt (7,8). Nur hauchdünn dahinter rangierte Das Gänseblümchen (v. D-Gold-Douglas, Z.: Horst Schepper) mit Alisa Schwind (7,76). Die Stute punktete besonders über ihre Rittigkeit (8,0) sowie ihre gleichmäßigen Grundgangarten. Rang drei ging an Druschkiwka mit Anna-Katharina Sporkert (7,50) vor Donnerwölkchen mit Paula Geipert (6,96). Am Nachmittag folgte die Qualifikation der vierjährigen Stuten und Wallache. Überlegen an der Spitze stand der großrahmige Davis Cup (v. Don Romance-Bretton Woods, Z.: Familie Wörner) unter Nikolaus Kühn. Mit einer beeindruckenden Trabvorstellung, die mit der Wertnote 9,0 honoriert wurde, sowie einer Endnote von 8,4 empfahl sich das Paar eindrucksvoll für das Finale. Ebenfalls überzeugend präsentierte sich Fine Star B (v. Fynch Hatton-Disco-Boy, Z.: Edgar und Mechthild Wörner), der unter Kay Pawlowska mit einer harmonischen Vorstellung und besonders gut angelegter Galoppade 8,1 erhielt. Beste Stute wurde La Vie en rose (v. Lord Leopold-Bentley, Z.: Thomas Casper), die Lisa Casper gefühlvoll zu einer Endnote von 8,0 vorstellte. Komplettiert wurde die Platzierung durch Ivory Shine mit Michele Schulmerig sowie San Marino unter Elke Wächter (beide 7,7).
Kein Landeschampion bei den dreijährigen Hengsten
Bei den vierjährigen Hengsten präsentierte sich ein qualitativ gutes Starterfeld. Den Sieg sicherte sich der Bonds-Sohn Be my Guest (v. Bonds-Sezuan, Z.: Zoe Sierks), der von der Niederländerin Dionne Korringa vorgestellt wurde. Besonders seine Rittigkeit wurde mit der Traumnote 9,0 bewertet. Hinzu kamen eine 8,5 für den Galopp, eine 8,0 im Trab sowie eine 8,5 im Exterieur, was eine Endnote von 8,4 ergab. Auf Rang zwei folgte Vino Veritas (v. Vangelis-Lord Loxley, Z.: Thomas Casper) unter Anna Casper. Besonders die ausbalancierte Galoppade wurde mit der Höchstnote 9,0 belohnt; insgesamt erhielt das Paar 8,2. Platz drei teilten sich Fanticello (v. Floricello-Sir Donnerhall, Z.: Otto Zimmermann) unter Ines Fleischmann sowie Impassion (v. Iron-Fürsten-Look, Z.: Franz Martin) mit Nicola Haug, beide mit einer Endnote von 7,8. Für Sorgenfalten sorgte schließlich die Entscheidung bei den dreijährigen Hengsten. Aufgrund des Pilotprojekts wurde der Landeschampion bereits in einer einzigen Prüfung ermittelt. Zwar führte Barnaby HJ (v. Bonderas-Chambertin, Z.: Karin Rettenmeier) unter Hans-Peter Bosch mit einer Endnote von 7,2 die Wertung der Hengste aus baden-württembergischer Zucht an. Für den Titel des Landeschampions wäre jedoch eine Mindestnote von 7,5 erforderlich gewesen. Damit bleibt der Titel des Landeschampions der dreijährigen Hengste in diesem Jahr unbesetzt – ein in Weilheim äußerst seltenes Ereignis.
Grand Prix-Sieg für Fiona Serafina Lukas
Der erste Tag der Dressurentscheidungen mündete in ein wahres Highlight, einen Kurz Grand Prix. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Pferdezuchtverband Baden-Württemberg die Dreisterne-Prüfung in das Prüfungsprogramm aufgenommen, eine gute Entscheidung. So nutzten auch in diesem Jahr einige Reiter die Prüfung als letzte Formabfrage vor den Landesmeisterschaften in Ichenheim. Am Ende gelang Fiona Serafina Lukas mit ihrem selbst ausgebildeten Antango-Sohn Aragorn ein beeindruckender Start-Ziel-Sieg. Die U25-Reiterin war mit Top-Erfolgen von den Deutschen Meisterschaften der U25-Reiter frisch gestärkt und voller Selbstsicherheit, gar als frischgebackene U25-Bundeskaderreiterin nach Weilheim gereist. Die gemeinsame Routine spielte das Erfolgspaar auch voll und ganz aus. Echte Highlights bildeten dabei die energisch abfußenden Piaffen und Passagen, die dynamischen Verstärkungen, die schnurgeraden Zweierwechsel und die top zentrierten Galopppirouetten. Schönheitsfehler gab es in der ersten Trabverstärkung, als sich ein Taktfehler einschlich, und in den Einerwechseln, als sich ein der Hinterhand nachgesprungener Wechsel sowie daraus resultierend ein Rhythmusfehler einschlich. Alles in allem war das erneut eine Traumrunde der beiden, die mit 72,1 Prozent belohnt wurde. „Den ganzen Weg von ersten A-Dressuren bis zum Grand Prix gemeinsam zu gehen, ist für mich etwas ganz Besonderes. Das fühlt sich richtig gut an“, beschrieb Fiona Serafina Lukas und fügte hinzu: „Ich hatte heute ein gutes Gefühl. Bei diesem Wetter hat er richtig Gas gegeben. Das freut mich, dass er so motiviert war.“ Diesen Eindruck bestätigte der Chefrichter bei C, Dr. Dietrich Plewa: „Eine ganz tolle Prüfung, ein kleiner technischer Fehler in den Einerwechseln, das war‘s dann aber schon. Sehr schöne Piaff-Passage-Tour mit toll fließenden Übergängen. Ich kann eigentlich nur gratulieren.“ Einen echten Lauf hat im Moment auch Julia Kühn. Ihr Fürstenball-Nachkomme DSP Fürstano hat sich vor wenigen Wochen nach einer verletzungsbedingten Pause besser denn je zurückgemeldet. So folgte in Weilheim nun mit Platz zwei und 69,6 Prozent die nächste Top-Platzierung. Auch dieses Paar sammelte bereits in der Trabtour mit guten Piaffen und Passagen ordentlich Punkte. Im Galopp überzeugten dann die zweite Galopppirouette und die gut nach vorne gesprungenen Einerwechsel. Teuer wurde es in den Zweierwechseln, wo sich ein in der Hinterhand gleichzeitig gesprungener Wechsel einschlich. „Alles wirkte unheimlich selbstverständlich. Das Pferd kenne ich jetzt schon von jungen Jahren an und die Entwicklung geht konstant nach oben“, resümierte Dr. Dietrich Plewa und Julia Kühn fügte hinzu: „Außer uns und der Besitzerin haben nicht viele daran geglaubt, dass er ein Grand Prix Pferd wird. Er hat eine unheimlich tolle Einstellung und so haben wir uns hochgearbeitet. Seine Stärken liegen ganz klar in der Selbstsicherheit im Viereck.“ Leonie Laier mit Dein Freund (68,7 Prozent) und Alexandra Rieger mit Dragoni (67 Prozent) komplettierten die Platzierung. Erstere verlor durch Fehler in den Zweierwechseln ordentlich Punkte. (Text: RJ - Mona Wieland)