Talentschuppen in Nussdorf
Qualitätvolle und gut ausgebildete Youngster überzeugten
In züchterischer Sicht, vor allem im Hinblick auf doppelt veranlagte Youngster, war es spannend im Reiterzentrum Rapp in Nussdorf. Nach einem Vorbereitungslehrgang am Freitag unter der Leitung von Nicolai Aldinger fand dort mit dem Talentschuppen für junge Vielseitigkeitspferde zum zweiten Mal in Folge eine der Traditionsveranstaltungen des Pferdezuchtverbandes Baden-Württemberg statt. Gesichtet wurden im Rahmen der Veranstaltung durch das Expertenteam Dr. Carina Krumbiegel, Holger Sontheim und Fremdreiter Nicolai Aldinger, der als Olympiakadermitglied und erfolgreicher Ausbilder junger Pferde mit viel Fachwissen aus dem Norden Deutschlands angereist war, insgesamt elf vier- bis sechsjährige Pferde aus den Zuchtgebieten des Deutschen Sportpferdes. Die Sichtung ist für die fünf- und sechsjährigenNachwuchspferde zudem eine Basis für die finanzielle Förderung durch den Pferdezuchtverband undden FBW im Hinblick auf eine Teilnahme an denBundeschampionaten. Der Talentschuppen ist Teil und auch 2024 Auftakt des Buschprogramms 2.0, das von hier über die DSP Eventers Auktion bei der Internationalen Marbacher Vielseitigkeit im Mai, die Fohlenschau mit Vielseitigkeits-Ring sowie die Landes- und DSP-Championate in Laupheim in die Eventers Fohlenauktion im August mündet.
Das grundsätzliche Ziel dieses 2012 ins Leben gerufenen und neu überarbeiteten Buschprogramms ist es, vielseitig veranlagte Pferde mit überdurchschnittlichem Edelblutanteil zu züchten. „Die Bedingungen in Nussdorf sind sehr gut, ebenso wie die Qualität der gezeigten Pferde. Umso schöner wäre es, wenn sich noch mehr Besitzer dazu entscheiden würden, ihre Pferde in diesem Rahmen zu präsentieren“, so der Geschäftsführer des Zuchtverbandes Norbert Freistedt in seinem Fazit.
Die Qualität der beim diesjährigen Talentschuppen gezeigten Youngster ebenso wie deren jeweilige Ausbildungsstände wurden auch durch das Experten-Gremium lobend erwähnt. „Wir haben hier tolle Pferde gesehen mit viel Talent und guter Ausbildung. Bellandra überzeugte das Expertengremium voll und ganz. Nicolai Aldinger, Holger Sontheim und Dr. Carina Krumbiegel waren von den Vielseitigkeitstalenten begeistert. An dieser Stelle ein Lob an die Aufzüchter und Ausbilder. Auch für mich ist es spannend, mich in kurzer Zeit immer wieder auf neue junge Pferde einzustellen, aber wenn die Pferde gut ausgebildet sind, profitiert man auch als Fremdreiter“, so Nicolai Aldinger. Neben weiteren konnte am Veranstaltungstag die aus einer Cavallieri xx-Mutter stammende fünfjährige Bellini Royal-Tocher Bellandra aus der Zucht und im Besitz von Wolfgang Martin das Expertengremium überzeugen. Aus der bewährten Zuchtstätte der Familie Martin, Sportpferde vom Schwalbenrain, stammt unter anderem auch die unter Eva Terpeluk bis auf CCI3*-Niveau erfolgreiche Uni‘s Black Pearl. Mutter der Bellandra ist die ebenfalls aus der Zucht stammende Vize- Bundeschampionesse Cavallandra. Bellandra zeige unter anderem sehr gute Grundgangarten und viel Potential am Sprung, zeigte sich Richter Holger Sontheim begeistert von der hübschen Stute. „Ein Pferd für das Bundeschampionat“, ergänzte Nicolai Aldinger. Bereits im vergangenen Jahr ihr Ticket für das Bundeschampionat gelöst hat die inzwischen sechsjährige FBW Mon Cherie ZGE aus der Zucht von Harald Engelberth in Wiesloch und auch beim diesjährigen Talentschuppen zeigte die aus einer High Spirits stammende Monte Bellini-Tochter ihr vielseitiges Talent. „Mon Cherie hat ihr heutiges Pensum absolut lässig absolviert und gibt ihrem Reiter ein gutes Gefühl. Sie zeigt sich sehr gut am Sprung“, analysierte Holger Sontheim. „Ein sehr angenehm zu reitendes Pferd, das alles richtig machen will. Ein Pferd mit viel Potential“, lautete das Fazit von Nicolai Aldinger. Als einziges Pony im Lot ließ die Coer Noble-Nachkommin Caralina, die mütterlicherseits auf FS Champion de Luxe zurückgeht, aus der Zucht von Eugen und Jakob Degenhardt und im Besitz von Claudia Koch stehend, unter Sarah Schmierer ebenfalls keinen Zweifel an ihrem guten Ausbildungsstand und ihrem vielseitigen Talent aufkommen. Ein bereits weit ausgebildetes, aufmerksames Pony, das sehr gut an den Hilfen stehe sowie über einen gleichmäßigen Bewegungsablauf verfüge, war von Seiten des Expertengremiums zu hören. Im Gegensatz zu vielen Talentschuppen der Vorjahre ließ sich 2024 keine Häufung bestimmter Namen in den Pedigrees erkennen. An Hengsten war von den dressurbetonten Topas und For Dance über die bewährten Springpferde-Vererber Diacontinus und Stakkato bis hin zum Achal Tekkiner Amadei-Geli einiges in den Pedigrees der Youngster geboten. „Die meisten der gezeigten Pferde sind auf einem guten Ausbildungsweg, auch in Richtung Bundeschampionate“, warf Zuchtleiterin Dr. Carina Krumbiegel abschließend einen Blick in die Zukunft. Text: RJ Sabine Wentsch